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Biomethan könnte Kraftstoff der Zukunft werden

Quelle: DER SPIEGEL (Auflage: 803.884) Seite 110 bis 112 Christian Wüst

Originaltitel: Geist aus der Druckflasche
Originaluntertitel: Der Dieselmotor ist politisch tot, das Elektromobil hat eine schlechtere Ökobilanz als erhofft. Nun setzt der Abgassünder Volkswagen auf den Erd- und Biogasantrieb. Ein Ausweg?
Biomethan könnte zu einem wichtigen alternativen Kraftstoff der Zukunft werden. Alleine Strohabfällen könnten ein Zehntel der deutschen Autos versorgen.
Volkswagen sucht in einer "Initiative für Erdgas-Mobilität" gerade einen Ausweg aus seinem Dilemma. Der Methan-Antrieb ist quasi ein Joker. Er emittiert selbst beim Betrieb mit fossilem Erdgas etwas weniger CO2 als Diesel und Benziner und hat keine Stickoxid-Probleme. Doch in ganz Europa gibt es nur in Italien ein attraktives Netz an Erdgas-Tankstellen. Es wurde vom Gasversorger ENI aufgebaut. Von 1,3 Millionen Erdgas-Fahrzeugen in Europa fahren über eine Million in Norditalien, 700.000 der Autos wurden von Fiat gebaut. In Deutschland scheiterte das Erdgas-Auto nach einem Boom um die Jahrtausendwende daran, dass der Diesel billiger ist und mehr Reichweite bietet. Die Pioniere BMW und Volvo haben den Erdgas-Antrieb aufgegeben, Mercedes und Opel ihr Engagement zurückgefahren, einige Gasversorger bauen bereits die Zapfsäulen wieder ab. Dabei bietet der Methan-Antrieb ökologische Vorteile. Anders als Elektro-Autos entfällt die energieaufwändige Batterieherstellung. Die Tank-gegen-Teller-Debatte fällt weg, da Biomethan aus Getreideabfällen gefertigt werden kann. Die Verbio AG erzeugt in Schwedt an der Oder bereits über 8.000 Tonnen Methan aus Strohabfällen. Mit den verfügbaren Strohabfällen könnte man gut fünf Millionen PKW betanken. Doch das Geschäft mit dem Biomethan für Tankstellen ist unsicher, denn es gibt keine eigene Quote oder Förderung. Für den Verkauf an Tankstellen oder die Netzeinspeisung bekommt der Hersteller Zertifikate. Diese kann er an Ölkonzerne verkaufen, wenn sie ihre Beimischquoten für Benzin und Diesel nicht erfüllen - doch diese haben nicht immer Bedarf. Weniger einträglich, aber sicherer ist dagegen der Verkauf des Biomethans an Kraftwerke. Im Vergleich zum oft favorisierte Power-to-Gas ist das Biomethan deutlich billiger.
Erschienen am 15.07.2017
letzte Aktualisierung am 17.07.2017
Newsletter 17.07.2017
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