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Das Ende von Nord Stream 2?

Quelle: Handelsblatt (Auflage: 127.797) Seite 8 E. Fischer, J. Flauger, T. Hoppe, M. Koch

Originaltitel: Nord Stream 2 auf der Kippe
Originaluntertitel: Frankreich schlägt sich auf die Seite der Pipeline-Kritiker. Das Projekt könnte vor seinem Ende stehen. Berlin versucht, Paris noch umzustimmen.
Frankreich könnte sich zum Bau von Nord Stream 2 gegen Deutschland stellen. Die Ostsee-Gaspipeline eröffne Russland die Möglichkeit, Europa im Energiebereich zu erpressen, warnen US-Gesandte. Offenbar sehen das die Politiker des französischen Außenministeriums auch so. Die deutsche Regierung versucht die Franzosen noch umzustimmen - die Stimmen aus Frankreich sind notwendig, damit der Bau starten kann.
Deutschland braucht Erdgas. "Zukunft Erdgas", die Initiative der deutschen Erdgaswirtschaft, prognostiziert, dass die Nachfrage nach Erdgas bis 2022 um etwa acht Prozent steigen könnte. Das Gas könnte auch aus den USA bezogen werden, das Erdgas aus Russland ist schlicht günstiger. Deshalb ist das Interesse der deutschen Industrie am Bau von Nord Stream 2 hoch. Doch der Bau steht auf der Kippe - alles hängt nun von Frankreich ab. Am heutigen Freitag wird die französische Regierung über Nord Stream 2 abstimmen. Das französische Außenministerium habe schon bestätigt, dass sich Frankreich gegen Nord Stream 2 wenden werde, heißt es im "Handelsblatt". Das macht die deutsche Regierung nervös, zumal der französische Staatspräsident Emmanuel Macron schon im Mai Verständnis für die Nord Stream 2-Gegner gezeigt hat. Die Stimmen von Österreich, Belgien, die Niederlande und Ungarn hat Deutschland sicher. Doch die französische Stimme wird benötigt. "Die Bundesregierung hätte nur dann eine Sperrminorität, wenn ihr Frankreich gegen die eigene Überzeugung und gegen europäische Interessen den Gefallen tut", sagt Reinhard Bütikofer, EU-Abgeordneter (Grüne) im "Handelsblatt".
Erschienen am 08.02.2019
letzte Aktualisierung am 08.02.2019