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DIW-Studie/Energieversorgung ausschließlich durch Erneuerbare möglich

Quelle: MBI EnergySource

Deutschland könnte seinen Energiebedarf laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre ausschließlich mit erneuerbaren Energien decken, wenn die Ausbauziele entsprechend erhöht werden. "100 Prozent erneuerbare Energien sind technisch möglich und ökonomisch effizient - und vor allem dringend nötig, um die europäischen Klimaschutzziele erreichen zu können", sagte DIW-Umweltökonomin Claudia Kemfert, die für die Studie mit weiteren DIW-Forschern Szenarien einer Vollversorgung durch Photovoltaik, Windkraft und andere Erneuerbare berechnete.

Den Berechnungen zufolge könnte nicht nur die Stromnachfrage, sondern die gesamte Energienachfrage hierzulande mit Erneuerbaren gesichert werden, so das DIW. Auch europaweit würden dann keine fossilen Energieträger oder Kernkraft mehr verwendet. Voraussetzung dafür sei, dass das Ausbautempo in Deutschland stark gesteigert werde, sowohl bei der Wind- als auch bei der Solarenergie. Im Fall einer Vollversorgung mit Erneuerbaren würde die Stromnachfrage in Deutschland aufgrund des Trends zur Elektrifizierung stark steigen und bei über 1.000 statt noch gut 500 Terawattstunden im Jahr 2018 liegen. Dafür wäre der gesamte Energieverbrauch mit gut 1.200 Terawattstunden im Vergleich zu knapp 2.600 im Jahr 2018 weniger als halb so hoch.


In der Studie wurden den Angaben zufolge zwei Szenarien berechnet, die einen erneuerbaren Erzeugungsmix in ganz Europa beinhalten und sowohl Strom als auch Wärme und den Transport - die sogenannten Sektorenkopplung - berücksichtigen. Das integrierte Szenario, das den Ausbau der Erzeugungs- und Speicherkapazitäten in Verbindung mit dem nötigen Netzausbau betrachte und eine Balance zwischen beidem anstrebe, sei dabei dem desintegrierten Szenario überlegen. In ersterem werde die Energie näher an den Verbrauchern erzeugt.


Trotz dezentralerer Erzeugungs- und Speicherstrukturen wäre die Einbindung in das europäische Stromnetz laut der Studie weiterhin möglich und wichtig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dass diese bei einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien nicht gefährdet sei, berechnete das DIW laut den Angaben exemplarisch anhand der Stromerzeugung und des Stromverbrauchs im Winter zum Zeitpunkt der niedrigsten Einspeisung von Photovoltaik und Windstrom. Um dem Ziel einer Vollversorgung durch erneuerbare Energien schnell näher zu kommen, müssten EU-, Bundes- und Landesebene enger und koordinierter zusammenarbeiten, forderte das Institut.

MBI/DJN/map/21.7.2021
Erschienen am 21.07.2021
letzte Aktualisierung am 21.07.2021