Für den kommenden Winter plädiert Eurelectric für zeitlich befristete und zielgerichtete Hilfen für Haushalte und Industrie. Die Unterstützung solle unmittelbar bei den Stromrechnungen ansetzen, etwa über Einkommenshilfen oder einer Entlastung von nicht energiebezogene Kostenbestandteilen.
Eine Subventionierung der Stromerzeugung aus Gas lehnt der Verband ab. Preisobergrenzen für Gas könnten faktisch Gaskraftwerke subventionieren und dadurch die Nachfrage nach dem fossilen Energieträger erhöhen. Außerdem drohten Verzerrungen im grenzüberschreitenden Stromhandel und schwächere Investitionsanreize.
Als Beispiel nennt Eurelectric den sogenannten iberischen Mechanismus, den Spanien und Portugal 2022 zur Begrenzung der Gaskosten für die Stromerzeugung einsetzten. Die Sonderregelung sei aufgrund der geringen grenzüberschreitenden Netzverbindungen gerechtfertigt gewesen. Auf stärker vernetzte Strommärkte lasse sich das Modell jedoch nicht ohne Weiteres übertragen.
Der Verband unterstützt stattdessen die Entlastungsinstrumente der EU-Kommission, darunter den Beihilferahmen für eine saubere Industrie (Clean Industrial Deal State Aid Framework, CISAF) und den befristeten Beihilferahmen im Zusammenhang mit der Krise im Nahen Osten (Middle East Crisis Temporary State Aid Framework, METSAF).
Elektrifizierung soll Gasbedarf senken
Langfristig sieht Eurelectric in der Elektrifizierung den zentralen Ansatz, um Europas Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und elektrifizierte Industrieprozesse könnten Gas und andere fossile Energieträger durch Strom aus europäischer Erzeugung ersetzen. Nach Angaben des Verbands würde die Umsetzung der Elektrifizierungsziele der EU-Kommission den Gasbedarf der Europäischen Union um 70 Prozent senken.
Für den energie- und klimapolitischen Rahmen nach 2030 schlägt Eurelectric deshalb ein Elektrifizierungsziel von rund 50 Prozent bis 2040 vor. Der Verband verweist dabei auf das Ziel von 46 Prozent im Elektrifizierungsaktionsplan der Kommission. Eine verbindliche Orientierung für 2040 könne Investitionen in Stromnetze, saubere Erzeugungskapazitäten und Flexibilitätsoptionen unterstützen.
Darüber hinaus fordert Eurelectric ein verlässliches europäisches Emissionshandelssystem (ETS) mit einem vorhersehbaren CO2-Preis. Das zweite Emissionshandelssystem der EU (ETS2), das unter anderem die Bereiche Verkehr und Wärme erfasst, solle zügig umgesetzt und nicht erneut infrage gestellt werden.
Neben dem Ausbau der Elektrifizierung sollen die Mitgliedstaaten nach Ansicht des Verbands auch Speicher und Flexibilitätslösungen voranbringen sowie kritische Energieinfrastruktur besser vor physischen und hybriden Angriffen schützen. Das reformierte Strommarktdesign, das geplante Netzpaket (Grids Package) und die Initiative AccelerateEU böten bereits Instrumente, die nun umgesetzt werden sollten.
Stromsteuer und Netzentgelte reformieren
Eine weitere Priorität sieht Eurelectric bei der Gestaltung von Netzentgelten und Steuern. Strom dürfe steuerlich nicht stärker belastet werden als Gas. Bei den Netzentgelten spricht sich der Verband für eine stärkere Orientierung an den tatsächlichen Netzkosten aus. Kapazitätsbasierte Bestandteile und zeitabhängige Preissignale sollten an Bedeutung gewinnen, um eine effiziente Netznutzung zu fördern. Standortbezogene Signale sollten nach Auffassung von Eurelectric vor allem bei den Anschlussentgelten berücksichtigt werden, nicht bei den laufenden Netzentgelten.
Sozial- und industriepolitische Ziele sollten die Mitgliedstaaten außerhalb der Netzentgelte verfolgen, um Quersubventionierungen zu vermeiden. Zugleich sollten Netzbetreiber digitale Lösungen ebenso berücksichtigen können wie den Ausbau physischer Infrastruktur.
Um die Elektrifizierung der Industrie zu beschleunigen, fordert Eurelectric außerdem eine Priorisierung bestimmter Anschlussvorhaben sowie den Einsatz langfristiger Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements, PPAs).
MBI/suh/28.10.2026
Eurelectric drängt Energieminister zu mehr Elektrifizierung
Eurelectric fordert die EU-Energieminister vor ihrer Sitzung am 29. Oktober auf, die Stromkosten zu senken, ohne die europäischen Strommärkte zu verzerren. In einem Schreiben spricht sich der Verband für gezielte Entlastungen, eine stärkere Elektrifizierung und Reformen bei Netzentgelten und Strombesteuerung aus.
Das Schreiben unterzeichneten Eurelectric-Präsident Markus Rauramo, zugleich CEO des finnischen Energieunternehmens Fortum, und Eurelectric-Generalsekretär Kristian Ruby. Der Verband mit Sitz in Brüssel vertritt die Interessen der europäischen Elektrizitätswirtschaft.
Erschienen am
28.10.2026
letzte Aktualisierung am
28.10.2026