Newsletter und Analysen für die Neue Energiewelt seit 2003

Fossile "nicht nachhaltig"/Lagarde beklagt EU-Abhängigkeit von Energieimporten

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, sieht die europäische Abhängigkeit von fossilen Energieimporten als "nicht nachhaltig" an. In den vergangenen Jahren habe es in Europa Debatten darüber gegeben, ob die Energiewende den Kontinent in einer geopolitisch instabilen Welt durch steigende Energiekosten anfälliger gemacht habe, sagte Lagarde laut Redetext bei einer Veranstaltung am Dienstag in Frankfurt am Main. "Doch der Status quo ist eindeutig nicht nachhaltig", sagte Lagarde weiter.
"Europa importiert rund 60 Prozent seiner Energie - fast ausschließlich fossile Brennstoffe - und die derzeitig stark steigenden Energiepreise machen deutlich, welchen Preis diese Abhängigkeit hat", führte die EZB-Präsidentin aus. Alternative Energiequellen böten hingegen "den klarsten Weg", um die europäischen Zielkonflikte zwischen "Sicherheit, Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit" zu minimieren. So zeige eine Analyse der EZB zum aktuellen Energiepreisschock, dass Länder mit einem höheren Stromanteil aus nicht-fossilen Quellen - wie Spanien und Portugal - besser vor dem Anstieg der Gaspreise geschützt gewesen seien.

In ihrer Rede hob die EZB-Präsidentin zudem hervor, dass Extremwetterereignisse auch die Inflation in die Höhe treiben können. So habe die Hitzewelle des vergangenen Sommers die Preise für unverarbeitete Lebensmittel im Euroraum binnen eines Jahres schätzungsweise um bis zu 0,7 Prozentpunkte erhöht.
Auswirken können sich solche Ereignisse demnach auch auf die Wirtschaftsleistung - und zwar stärker als früher angenommen: Untersuchungen der EZB hätten gezeigt, dass die regionale Wirtschaftsleistung auch vier Jahre nach einer Dürre oder Überschwemmung im Schnitt noch um rund drei Prozentpunkte niedriger ausfalle. Zugleich habe das vergangene Jahrzehnt ein "beunruhigendes Paradoxon" hervorgebracht, sagte Lagarde. "Jeder neue Datenpunkt sagt uns, dass wir den grünen Wandel beschleunigen müssen - und doch verliert er an Tempo", sagte Lagarde.

MBI/AFP/aul/5.5.2026
Erschienen am 05.05.2026
letzte Aktualisierung am 05.05.2026