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Hohe Strompreise behindern die Energiewende

Quelle: Süddeutsche Zeitung (Auflage: 391.894) Seite 18 Michael Bauchmüller

Originaltitel: Alles fließt – nach oben
Originaluntertitel: Der Preis für Strom steigt weiter, doch das liegt nur zum Teil an teuerer Elektrizität. Die
Belastungen sind gewachsen.
Laut dem Vergleichsportal "Verivox" haben die Strompreise in Deutschland ein neues Rekordniveau erreicht. Der Preis für die reine Energie sei inzwischen aber verborgen hinter einem ganzen Dschungel an Steuern und Abgaben. Außerdem trügen die Privatkunden unverhältnismäßig viele Kosten, während die Industrie entlastet werde. Dieser Zustand behindere insgesamt die Energiewende in Deutschland.
Auch wenn die Vergleichsportale den Kunden glauben lassen, dass die Strompreise in Deutschland von Rekordhoch zu Rekordhoch eilen, seien die Preise in den letzten Jahren relativ stabil geblieben. Zwar sind die Meldungen von "Verivox" und Co. nicht falsch, doch ein tieferer Blick lohnt sich. Der Strompreis steige in Deutschland vor allem aus zwei Gründen: Erstens stieg die sogenannte Offshore-Netzumlage deutlich auf 0,416 Cent je Kilowattstunde. Zweitens ist auch der Börsenpreis für Strom gestiegen. Doch hier wird die Sache kompliziert, analysiert SZ-Autor Michael Bauchmüller. So blieben zum Beispiel vom durchschnittlichen Strompreis, den die Haushalte zahlen, lediglich 6,42 Cent für Beschaffung und Vertrieb des Stroms. Der Preis für die reine Elektrizität sei inzwischen hinter "einem Dschungel von Steuern und Abgaben versteckt". Da seien unter anderem die EEG-Umlage, Stromsteuer und eine Konzessionsabgabe. Weil die großen Projekte für den Ausbau der Stromnetze gerade erst anlaufen, werde der Strompreis auch in den nächsten Jahren für die Verbraucher wahrscheinlich steigen. In den Augen des Energieexperten beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Thomas Engelke liegt genau hier das Problem: "Wenn wir bei der Energiewende weiterkommen wollen, müssen wir die Strompreise senken", sagt er. Die Sonderregelungen für die Industrie dürften nicht mehr auf die Kunden umgelegt werden, sondern müssten aus Steuermitteln finanziert werden. Dass die Privatkunden unverhältnismäßig stark belastet werden, zeige sich außerdem auch daran, dass die Grundpreise zuletzt stärker gestiegen seien als der sogenannte Arbeitspreis. Je weniger Strom ein Haushalt verbrauche, desto stärker schlage der fixe Grundpreis anteilig zu Buche. Insgesamt herrsche in Deutschland bei der Bepreisung von Energie eine ziemliche Unwucht.
Erschienen am 02.04.2019
letzte Aktualisierung am 02.04.2019