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Meeres-Windpark Arkona und der Niedergang der Windenergie an Land

Quelle: Der Tagesspiegel (Auflage: 110.471) Seite 16 S. Ehlerding, C. Schaudwet, J. Schlandt

Originaltitel: Mehr Tempo!
Originaluntertitel: Kanzlerin Merkel fordert schnelleren Ausbau von Stromtrassen nach Süden. Offshore-Windpark
Arkona auf Rügen eröffnet
Das bisher größte Offshore-Projekt der Ostsee, der Windpark „Arkona“, ist am Dienstag (gestern) eingeweiht worden. Für die Windenergie an Land geht es dagegen „weiter bergab“, auch wegen Überlegungen, bundesweit Mindestabstände von Windrädern zu Siedlungsflächen einzuführen. Bei 1.000 Meter Abstand als Minimum würde laut UBA die in Deutschland erreichbare Windenergie-Nennleistung „auf heutigem Niveau stagnieren.“
Das bisher größte Offshore-Projekt der Ostsee, der Windpark „Arkona“, sei am Dienstag (gestern) „in Betrieb gegangen“, berichtet der „Tagesspiegel“ (etwas ungenau – denn laut „FAZ“ ist der Park schon seit einem halben Jahr in Betrieb und wurde jetzt nur noch nachträglich eingeweiht). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe auf Rügen mehr Tempo beim Ausbau der Stromleitungen von der Küste nach Süddeutschland gefordert, heißt es in dem Artikel. Dies sei für die gewünschte Förderung der erneuerbaren Energien nötig. – Die große Koalition habe in der vergangenen Legislaturperiode den Ausbau von Offshore-Windparks gedrosselt, heißt es im „Tagesspiegel“. Als Begründung wird genannt, „dass der Bau großer Stromtrassen nach Süddeutschland unter anderem wegen des Widerstands von Anwohnern kaum vorankommt.“ – Für die Windbranche an Land gehe es derweil „weiter bergab“. Die große Koalition erwäge bundeseinheitliche Mindestabstände von Windrädern zu Siedlungsflächen. „Vielerorts sind 1.000 Meter oder mehr im Gespräch“, womit die „Tagesspiegel“-Autoren einzelne Bundesländer meinen. Sie referieren eine Studie des Umweltbundesamts (UBA), das 82 Regionalpläne in den Flächenbundesländern mit Ausnahme Bayerns und des Saarlands analysiert habe, und fassen zusammen: „Bei einer bundesweiten Regelung in diesem Sinne würde die Fläche, auf der noch Zubau möglich wäre, um 20 bis 50 Prozent schrumpfen. Dadurch würde die in Deutschland insgesamt erzielbare Leistung auf heutigem Niveau stagnieren.“ Erhebliche Risiken sehe das Umweltbundesamt auch für den Austausch alter Anlagen durch neue, leistungsfähigere Maschinen, das sogenannte „Repowering“. Nach heutiger Rechtslage drehten sich „47 Prozent der Bestandswindräder in Deutschland außerhalb aktuell genehmigungsfähiger Flächen.“ Gälte eine 1.000-Meter-Abstandsregelung, gäbe es nur noch für 25 bis 35 Prozent der Anlagen Genehmigungen zum Repowering, gibt der Zeitungsbeitrag das UBA wieder.
Erschienen am 17.04.2019
letzte Aktualisierung am 17.04.2019