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Privathaushalte setzen immer mehr auf Solar und Heimspeicher

Quelle: MBI EnergySource

Solaranlagen erobern die Dächer von immer mehr privaten Immobilien. Umfragen legen nahe, dass steigende Energiepreise dafür ein Treiber sind. Heimspeicher liegen ebenfalls im Trend.

Mit den Energiepreisen steigt auch das Interesse in der Bevölkerung, auf Privateigentum Solaranlagen zu installieren. Eine Umfrage im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hat ergeben, dass ein Drittel der Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien binnen drei Jahren Sonnenstrom vom eigenen Dach ernten will. Fast zwei Drittel der Befragten (62 %) geben die steigenden Strompreise als Beweggrund an.

Ins Bild passt eine Statistik des Bonner Beratungshauses EUPD Research, das neben dem "Boom" bei den kleineren Solaranlagen auch eine erhöhte Nachfrage nach Heimspeichern für selbst erzeugten Strom erkannt hat. In den ersten drei Quartalen 2021 habe sich die Zahl der Solaranlagen bis 20 kW im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt (plus 42 %).

Allein die Kraftwerke zwischen 10 und 15 kW seien dabei um das Achtfache gewachsen. Dies bedeutet einen Gesamtzubau von 1.300 MW im Segment bis 20 kW. Im ersten Halbjahr seien zugleich 73.000 Heimspeicher installiert worden, wobei die Anbieter Sonnen, BYD, Senec und E3/DC drei Viertel des Marktes unter sich aufteilten.

Von dem wachsenden Kuchen wollen aber auch andere Hersteller etwas abhaben. EUPD Research beobachtet angesichts des im internationalen Vergleich "herausragenden Wachstums" bei Heimspeichern das Bestreben auswärtiger Anbieter, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen, etwa von Huawei (China).

Für Deutschland geht der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) von aktuell rund 4,5 Mio. existierenden Solaranlagen zur Strom- oder Wärmeerzeugung auf deutschen Dächern aus. Nach der Online-Umfrage der AEE könnten in den kommenden drei Jahren 2,8 Mio. private Sonnenkraftwerken und 1,9 Mio. Solarthermieanlagen hinzukommen. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW, spricht von "einer hohen Investitionsbereitschaft" in der Bevölkerung. Die Ampel-Koalition in Berlin müsse in den ersten 100 Tagen die richtigen Weichen stellen, um den "Solar-Express jetzt schnell ins Rollen" zu bringen.

EUPD Research macht Anreize der scheidenden Großen Koalition für die Verschiebung von Marktanteilen bei kleinen Solaranlagen verantwortlich. Vom Anheben der Eigenverbrauchsgrenze auf 30.000 kWh seit Januar 2021 hätten besonders Anlagen mit 10 bis 15 kW profitiert. Hier sei ein Wachstumssprung um 684 % zu verzeichnen. Anlagen bis 10 kW dagegen stagnierten im ersten Dreivierteljahr, die Absatzzahlen von Kleinkraftwerken zwischen 15 und 20 kW verdoppelten sich.

Insgesamt steigt also die durchschnittliche Leistung verbauter Solaranlagen, auf 8,3 kW in den ersten drei Quartalen (von 7,9 kW). Dadurch wächst der Bedarf an Heimspeicherlösungen, um möglichst viel des erzeugten Stroms selbst verbrauchen zu können. Beim Einspeisen zu großer Mengen Solarstroms ins allgemeine Netz amortisieren sich die Anlagen erst nach längerer Zeit. Grund sind steigende Anschaffungspreise für Solarmodule, die zu einem ungünstigen Verhältnis zwischen Stromgestehungskosten und Einspeisevergütung führen.

Den Beitrag zur Energiewende stellt BSW-Chef Körnig heraus: Würden alle Pläne umgesetzt, ließen sich 22 Mio. Tonnen Treibhausgase zusätzlich pro Jahr im Privatsektor einsparen. Lässt nur die Hälfte der Befragten der Absichtserklärung auch Taten folgen, würde die Nachfrage nach Solartechnik sich gegenüber heute immer noch verdreifachen.
MBI/vos/3.12.2021
Erschienen am 03.12.2021
letzte Aktualisierung am 03.12.2021