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Studie/Deutscher Offshore-Windenergiemarkt setzt zu einem Aufschwung an

Quelle: Energie & Management Daily

Der deutsche Offshore-Windenergiemarkt setzt zu einem Aufschwung an - obwohl dieses Jahr voraussichtlich kein Windpark ans Netz geht. Auch weitab von der Küste winkt Beschäftigung.Die deutsche Offshore-Windindustrie hat 2020 in 862 Unternehmen, Behörden und anderen Einrichtungen noch 21.400 Vollzeitarbeitsplätze (FTE) besetzt. Davon waren nur noch 24 Prozent der "Marktteilnehmer" ausschließlich für Windkraft auf See tätig. Umgesetzt wurden in Deutschland selbst inklusive Exporterlöse 7,4 Milliarden Euro.

Diese Wertschöpfungsbilanz der Branche nach der Ausbaudelle präsentierte Dirk Briese von den Analysten von Windresearch auf der Windforce Conference in Bremerhaven in einer Fortschreibung ihrer Studie von 2019.

Briese betonte, Windresearch habe in jedem befragten Industriebetrieb, Ingenieurbüro oder sonstigen Dienstleister, in jeder Behörde oder Kanzlei abgefragt, wie viel Zeit ausschließlich für Offshore aufgewendet wird. Windresearch arbeite nicht wie mancher Branchenverband mit "aufgeblähten" Zählungen von Köpfen, die nur Teilzeit oder nur teilweise für die jeweilige Industrie tätig sind. Auftraggeber dieser Studie sind der Branchenverband Wab und andere.

Demnach hat die deutsche Offshore-Branche seit dem 2018 einsetzenden Fadenriss beim Zubau 2.950 FTE an Arbeitsplätzen verloren; es gab Insolvenzen, Entlassungswellen und Marktaustritte oder Verlagerungen auf Onshore. Doch immerhin ist die Akteursvielfalt gewachsen: Damals gab es nur 771 „Marktteilnehmer“.

Der Fadenriss lag an dem langwierigen Übergang von Einspeisevergütungen zu Windpark-Ausschreibungen. Deren erste fand 2019 statt, die ersten damals bezuschlagten Windparks kommen aber voraussichtlich erst 2022 bis 2026 ans Netz. Dieses Jahr ist das erste seit zehn Jahren, in dem kein deutscher Offshore-Windpark produktiv wird.

Briese führte den Zuwachs an mittelständischen Unternehmen auf die langfristig guten Aussichten von Offshore weltweit zurück. Nicht nur hat Deutschland voriges Jahr das Ausbauziel für 2030 auf 20.000 MW verdoppelt und strebt für 2040 eine weitere Verdopplung an, sondern etwa Großbritannien plant mit 60.000 MW, Holland mit 24.400 MW, Frankreich mit 11.500 MW, China mit 107.000 MW und die USA gar mit 120.000 MW. Derzeit sind in der deutschen See 7.770 MW installiert.

Die offiziellen deutschen Ausbauziele sind aber nur eines der weniger dynamischen unter den vier Szenarien, die Windresearch zugrunde gelegt hat. Bei den ehrgeizigeren geht Briese für 2040 von 50.000 MW aus, wenn das Hochfahren von Offshore-Windwasserstoff klappt, sowie 65.000 MW, mit denen das verschärfte Bundesklimaschutzgesetz erfüllt werden würde.

Das Offshore-Geschäft sei nicht nur ein Küstenthema, meinte Dirk Briese, es biete Zulieferern etwa im Anlagenbau, Forschern und Entwicklern auch in anderen deutschen Regionen Arbeit. Für NRW und Baden-Württemberg hat Windresearch mit teilweise anderen Auftraggebern Länderbetrachtungen ausgekoppelt, allerdings zusammen mit der Windkraft an Land. Demnach hatte die Windbranche in NRW voriges Jahr mit 350 Marktteilnehmern (vor allem Anlagenbauer und Dienstleister; ohne Bürgerinitiativen/BI) Arbeit für 20.000 FTE und setzt mit ihnen jährlich 7 Milliarden Euro um. Bei fortgeführter restriktiver Windpolitik steigt die Zahl der FTE bis 2040 nur um 550 und der Umsatz auf 7,4 Milliarden Euro, bei vollständigem Beitrag zum deutschen Klimaziel aber um 2.650 FTE und auf 8,1 Milliarden Euro.

In Baden-Württemberg arbeiteten 2020 mehr als 250 „Marktteilnehmer“ (ohne BI) mit über 12.000 FTE ausschließlich für die Windenergie und setzten damit mehr als 3 Milliarden Euro um. Bestehen die Ausbauhemmnisse im Südwesten weiter, wird die Branche dort bis 2040 schrumpfen, so Windresearch, und zwar um 2.000 FTE auf nur noch 2 Milliarden Euro. Im optimistischsten Szenario ist ein Zuwachs um 5.000 FTE und mehr als eine Umsatz-Verdopplung auf 4,5 Milliarden Euro drin.

Erschienen am 07.10.2021
letzte Aktualisierung am 07.10.2021