7.000 MW Windkraft wollten British Petrol (BP) und Total Energies in der deutschen Nordsee installieren. Dafür haben sie 2023 und 2024 insgesamt 15,6 Milliarden Euro in der Flächenauktion geboten. RWE hatte 2024 ursprünglich gemeinsam mit Total auf die Ausbaufläche geboten, sich aber später zurückgezogen, während BP sein Offshore-Geschäft in das Joint Venture Jera Nex ausgelagert. Offenbar haben die Unternehmen sich verkalkuliert, denn nun wollen Sie den Windkraft-Ausbau zeitlich und räumlich strecken.
Dafür haben sie eine Studie beim Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) bestellt, die Verschattungseffekte untersuchte, die durch früher aufgestellte Windturbinen entstehen und damit den Stromertrag neuer Anlagen verringern. Jera Nex BP und Total fordern mit dieser Studie im Rücken, einen Großteil der noch offenen Flächen später auszuschreiben und zu bebauen als ursprünglich geplant.
IWES-Studie bestätigt Verschattung
Im Re-Order-Szenario wird die Reihenfolge von Ausschreibung und Inbetriebnahme neuer Flächen so angepasst, dass weiter in der See liegende Flächen zuerst bebaut werden. Dies würde temporäre Abschattungseffekte von bestehenden Windparks näher an der Küste verringern. Im Ergebnis würden die Volllaststunden aller Flächen erhöht und damit die Stromgestehungskosten gesenkt. Allerdings würden sich Ausbau und Stromerzeugung damit verzögern.
„Der Re-Order-Plan führt natürlich zu einem deutlichen Einbruch der Offshore-Windenergieerträge in der deutschen Nordsee insgesamt“, erläuterte Bernhard Stoevesandt, der am Fraunhofer IWES als Chief Political Officer an der Studie mitgearbeitet hat. „Das ist eine Abwägung zwischen: Wie sehr soll sich das für die Firmen lohnen und wie viel Strom soll der Offshore-Wind der Gesellschaft bringen“, sagte er dem Norddeutschen Rundfunk. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat mit Verweis auf die verzögerte Netzanbindung der Offshore-Windkraft schon öfter signalisiert, dass der Ausbau zeitlich verschoben werden solle.
Wind-auf-See-Gesetz gefährdet
Das aber würde die deutschen Stromversorgungspläne gefährden. Danach sollen bis 2041 Windkraftanlagen mit einer Kapazität von insgesamt 70.000 MW in der deutschen Nordsee Strom produzieren. Wenn es nach Jera Nex BP und Total geht, verzögert sich diese Kapazität bis ins Jahr 2057. Nach dem Szenario der Unternehmen, genannt „Re-Order“ verschiebt sich ihr Ausbau um 16 Jahre. Dies hätten sie bereits der zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) mitgeteilt.
Im Gespräch mit dem NDR sagte Lea Haefke, Referatsleiterin für die Flächenentwicklungspläne beim BSH, die Berechnungen seien ökonomisch nachvollziehbar, dennoch habe sie der Vorstoß der Unternehmen überrascht. Denn er widerspreche der gesetzlichen Grundlage. Das Ausbauziel ist im Windenergie-auf-See-Gesetz festgeschrieben. Die Abschattungseffekte seien bereits bekannt gewesen als die Unternehmen Milliarden für die Flächen in der Nordsee geboten haben, so Haefke.
Politischer Gegenwind
Nina Scheer, energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, kritisiert den Vorstoß der Unternehmen und der Bundestagsabgeordnete der Grünen und Berichterstatter für den Bereich Offshore, Alaa Alhamwi, warnt davor, dass bei fehlendem Windstrom letztlich Gaskraftwerke einspringen müssen, was das Erreichen der Klimaschutzziele gefährde.
Carla Geisen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unterstreicht, dass der Flächenentwicklungsplan für dieses Jahr bereits überfällig sei. Und auch das Windenergie-auf-See-Gesetz müsse in diesem Jahr novelliert werden, womit die Unternehmen eine Chance sähen, aus ihren teuren Verpflichtungen zu entkommen.
MBI/suh/29.4.2026
Windkraft/Unternehmen wollen Ausbauziele aufschieben
Für Milliarden Euro haben BP und Total Energies Windkraftflächen in der Nordsee ersteigert. Jetzt wollen sie die Umsetzung des Ausbaus verschieben, mit Verweis auf Abschattungen.
Erschienen am
29.04.2026
letzte Aktualisierung am
29.04.2026